Es ist schon eigenartig wie man mit den besten Absichten alles falsch machen kann, nur weil man als Kind etwas falsches gelernt hat. Wie ich noch klein war, und auch wärend ich heran wuchs, wurde mir immer wieder gesagt das man Jungvögel nicht anfassen darf, weil die Eltern es dann nicht mehr annehmen. Das wenn man ein Vogelkücken findet das aus dem Nest gefallen ist, man es nur mit Handschuhen zurück ins Nest setzen kann, ansonsten muß man es per Hand groß ziehen. Tja, so wurde mir das zumindest über Jahre hinweg immer wieder gesagt, und bis vor kurzem habe ich nie etwas anderes gehört oder gelesen.
Vor einigen Tagen dann, fanden meine Kinder, denen ich das gleiche beigebracht hatte, einen Jungvogel der aus dem Nest gefallen zu sein schien. Es war eines der Robin Kücken die vor unserem Schlafzimmer fenster nisteten. Die Eltern flogen laut zwitschernd und aufgeregt im Baum über uns umher, unser Kater war schon auf dem Weg um das kleine 12 Tage alte Kücken zu erlegen, und die Kinder waren laut am schreien das wir es retten müssten.
Ohne wirklich darüber nach zu denken welche Arbeit so ein Kücken machen würde, nur in dem Gedanken das ich es nich unserer Katze überlassen konnte, nahm ich das Kücken an mich. Es versuchte mir aus der Hand zu flattern, strampelte und ich hatte wirklich Angst es zu verletzen. Doch wenigstens war es sicher vor der Katze, und schnell hatte ich den alten Hamsterkäfig meiner Tochter in einen Vogelkäfig umfunktioniert. Den kleinen Vogel zurück ins Nest zu setzen war nicht möglich, da ich keine chance hatte heran zu kommen. So entschied ich den kleinen zu behalten und groß zu ziehen, oder zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Auffangstation zu bringen.

So sah der Kleine aus als wir ihn gefunden haben. Er konnte nur ganz schwach flattern, war im Nackenbereich und unter den Flügeln noch ganz nackt, und zwitscherte kläglich nach seinen Eltern. Während draußen seine Eltern wie verzweifelt nach ihm riefen. Doch nach dem was ich gelernt hatte als Kind, war er, da ich ihn angefasst hatte, eh verloren wenn ich ihn wieder hinaus gesetzt hätte.
Also suchte ich alle Information zusammen die ich finden konnte. Auf verschiedenen Websiten konnte ich heraus finden das Junge Robins nur Maden, und Regenwürmer gefüttert bekommen. Auch fand ich heraus das es noch zu früh für den kleinen war um alleine zurecht zu kommen, und das er gute fünf Tage zu früh war um aus dem Nest geworfen zu werden. Oder zumindest dachte ich das, denn als Kind hatte ich noch etwas gelernt bekommen, nämlich das die Altvögel ihre Junge erst aus dem Nest warfen wenn sie in der lage waren zu fliegen. Tja, fest überzeugt wie ich war, das die einzige Hoffnung für das Küken zu überleben die Handaufzucht war, begann ich Würmer aus zu graben.
In meinem ersten Anlauf grub ich etwa 30 bis 40 Würmer aus, und versuchte sie dem kleinen zu füttern. Zu anfang wollte er den Schnabel gar nicht öffnen, doch nach einigen Anläufen gelang es mir ihm einige Würmer zu füttern. Dennoch machte ich mir sorgen das ich den kleinen nicht durchbringen würde, da ich doch recht wenig Ahnung von Vögeln habe, und schrieb darum eine der Wildtierrettungsorganisationen an, um nach zu fragen was ich machen sollte, und ob es eine Aufzuchtstation gab. Am Abend bevor ich ins Bett gieng, habe ich ihn dann noch mal gefüttert, und stellte ich ihn abgedeckt in die Küche, während ich den Kater ins Wohnzimmer einschloss.
Am nächsten Morgen war ich erstaunt wie ruhig der kleine war, insbesondere aber wie leicht er sich füttern ließ. Innerhalb einer Stunde waren die restlichen Würmer vom Vortag verputzt und der kleine aber auch schon wieder Hungrig. So verbrachte ich fast den ganzen Tag damit Würmer auszugraben und den kleinen zu füttern, an meinen Haushalt war kein Gedanke zu verschwenden.
Am morgen Telefonierte ich mit meiner Mutter, und erzählte ihr von dem Kücken. Was erstaunlich war an diesem Telefonat, war das sie mir sagte das ich mit meiner Überzeugung falsch lag. Das insbesondere dieses Jahr in den Zeitungen mehrfach aufrufe ware, das man Küken einfach wieder ins Nest setzen sollte, oder in einen nahe gelegenen Busch, und insbesondere das es absolut nichts ausmachen würde wenn man die Küken einmal angefasst hatte. Das Problem war nur eine sichere Stelle für den kleinen gefiederten Freund zu finden, wo seine Eltern ihn auch erreichen konnten. Dazu kam das ich aus meiner falschen Überzeugung heraus meinen Kindern versprochen hatte, den kleinen in die Schule zu bringen, da insbesondere meine Tochter gerade Vögel und die Umweltvoraussetzungen durch nahmen.

Ich entschied aufgrund meines Versprechens den kleinen auf jeden Fall noch zu behalten bis meine Kinder von der Schule kamen, um die Entscheidung der Leherer zu erfahren, ob ich den kleinen bringen sollte. Als die beiden kamen, waren die Lehrer natürlich begeistert gewesen, und hatten mich für den nächsten Morgen eingeladen. Ich fütterte an diesem Tag über 100 Würmer an den kleinen und als ich ihn am Abend in die Küche stellte, war ich in gewisser weise froh das ich ihn am nächsten Vormittag frei lassen würde. Denn obwohl ich den kleinen mochte, und ihn in gewisser wiese gerne behalten hätte, war die Arbeit einfach zuviel. Denn im gegensatz zu Vögeln, hatte ich nicht nur das Küken, sondern auch noch meine Kinder, den Haushalt und so weiter zu erledingen. Ich nahm mir aber vor, so lange wie möglich den kleinen im Auge zu behalten, und ebenso sicher war für mich das mein Kater im Haus blieb, bis ich mir so sicher wie möglich war das der kleine davon fliegen können würde.
Küken fütterung
Hier ein Video wie ich den kleinen Füttere
Nach dieser Fütterung brachte ich den kleinen dann zur Schule. Die Kids in der Klasse meiner Tochter waren so begeistert, hatten so viele Fragen und zum ersten Mal erlebte ich wie meine Tochter vor der Klasse sprach. Allein das zu erleben war die Arbeit mit dem Küken wert. Auch in der Klasse meines Sohnes war die Begeisterung groß, und die Fragen nicht wenig. Wenn hier, da erste Klasse, auch die Lehrerin noch einige Fragen stellen mußte auf die die Kids nicht gekommen waren.
Wie ich dann wieder Zuhause war, öffnete ich den Käfig unterhalb des Baumes, in dem das inzwischen verlassene Nest war. Denn auch die anderen zwei Küken waren wohl aus dem Nest geworfen worde, und wie wir voller bedauern an dem gleichen Morgen hatten fest stellen müsse, von unserem Kater oder einem anderem Tier getötet worden.
Ich setzte den kleinen auf die Wiese, und entfernte mich einige Meter. Es dauerte einige Minuten, und einige Rufe des kleinen, doch dann kamen die Eltern. Zuerst blieben sie auf einige entfernung, vermutlich weil ich in Sichtweite war, und zwitscherten in lauten durchdringenden Tönen, die vermutlich Alarm bedueteten. Ich verfolgte den Kleinen wie er durch meinen Garten hüpfte, bis er unter den Bäumen im hinteren Bereich war, und blieb auf unserer Veranda stehen. Nach einigen Minuten sah ich dann wie eines der Elternteile herunter kam und ihn fütterte. Zufrieden das die Eltern ihn so Problemlos nach drei Tagen in meiner Führsorge wieder annahmen, nahm ich den Kleinen noch mal hoch, verabschiedete mich von ihm und setzte ihn in einen Korb den ich schon am Voraben zum Nest umfunktioniert hatte und in einer Astgaber eines Baumes befestigt.
Einige Zeit blieb ich noch in der Nähe, um sicher zu gehen das es nicht nur Zufall gewesen war das die Eltern es gefüttert hatte. Und, das muß ich zugeben, weil mir der Abschied schwer fiel. Das Ersetznest gefiel dem kleinen gar nicht, so das er schon nach wenigen Minuten hinaus hüpfte und setzte sich zwischen zwei auslandende Äste der Tanne in die ich ihn gesetzt hatte.

Im laufe des Tages beobachtete ich vom Fenster meiner Tochter aus, immer wieder wo der Kleine war, und ob er auch gefüttert wurde. Meinen Kater ließ ich nicht aus dem Haus, was ihm natürlich gar nicht gefiel. Und selbst meinen Hund, der im Allgemeinen keinem Tier etwas macht, ließ ich nur unter aufsicht in den Garten. Am Abend, bevor es dunkel wurde konnte ich den kleinen noch an der gleichen stelle sehen an der ich ihn zurück gelassen hatte.
Als ich am nächsten Morgen nach ihm sehen wollte, konnte ich ihn nicht mehr finden. Ich glaubte das er wohl vom Baum geflattert war, oder herunter gefallen, konnte ihn aber einfach nicht finden. Als ich allerdings am Mittag in den Garten ging um etwas zu holen, sah ich ihn wieder im Baum sitzen. Erleichtert das ihm nichts geschehen war, ging ich wieder ins Haus. Am Nachmittag dann brach ein starkes Gewitter los, es stürmte und Donnerte, der Regen peitschte und ich machte mir sorgen um den kleinen. Am Abend als das Gewitter vorbei war, sah ich sofort nach ihm. Er war vom Baum geweht worden, und hüpfte verzweifelt auf dem Boden herum.
Ich ging her, fing ihn wieder ein, und setzte ihn zurück in den Baum. Erstaunlich daran war, das er sich wohl nicht im geringsten mehr an mich erinnerte. Er zwitscherte verzweifelt und in den höchten Alarmtönen, so das seine Eltern sogar versuchten mich zu attakieren. Er flatterte wie wild und war nur schwer zu fangen. Doch letztendlich konnte ich ihn wieder in den Baum setzen.


Während er da so saß, konnte ich gut sehen das seine Schwanzfedern um einiges gewachsen war, und sein Gefieder um einiges dichter geworden. Auch war er um einiges kräftiger geworden, so das ich ihn fast nich hatte halten können.
Am späten Abend dann, es war schon längst dunkel, fragte mich plötzlich mein Mann warum ich den Kater raus gelassen hätte. Verwundert und verwirrt stellte ich fest das dieser wohl entwischt sein mußte als die Kinder zum Spielen raus gegangen war. Voller sorge hoffte ich das dem kleinen nichts geschehen war. Schließlich war das küken noch nicht in der lage zu fliegen, und den Krallen meines Katers zu entkommen.
Heute Morgen, nach meinem ersten Kaffee, ging ich dann hinaus um nach dem kleinen zu sehen. Zuerst konnte ich ihn nicht finden, doch am Verhalten der Eltern die kräftig Alarm gaben ging ich davon aus das er zumindest noch am Leben war. Als ich schon aufgegeben hatte, und wieder hinein gehen wollte, warf ich einen Blick zurück, und sah etwas in einem anderen Baum, das wie ein grauer, großer Ball aussah. Als ich näher kam, erkannte ich das es mein kleiner gefiederter Freund war, der nun zwei Bäume weiter, und sehr viel höher saß. Für mich heißt das, daß er nun wohl in der Lage ist kürzere Distanzen zu fliegen oder zu Flattern, und sich so in Sicherheit zu bringen.
Ich werde nun versuchen so lange wie möglich ein Auge auf ihn zu haben, doch ich vermute das ich ihn schon bald nicht mehr sehen werde, da er nun auch langsam das Alter hat in dem er fliegen können sollte, und damit meine Chancen auf ihn beobachten immer kleiner. Insgeheim hoffe ich natürlich das er sich doch an mich erinnert, und mich villeicht eines Tages besuchen kommt, doch ich weiß das die Chacen dazu nahe null sind.
Eines aber habe ich aus dieser Geschichte gelernt. Das nächste Küken das ich finde, werde ich gleich versuchen wieder ins Nest zu setzten, oder aber an eine sicher Stelle. In der Butzeit werde ich meinen Kater so viel wie möglich drinnen lassen, und meinen Kindern habe ich nun erklärt das man ein Küken sehr wohl anfassen kann, und was man machen soll um ihm zu helfen. Vögel sind ein wichtiger Teil unserer Umwelt, sie geben uns nicht nur ihre schönen Gesänge, sie fangen auch lästige Insekten aus der Luft, oder aus den Rinden unserer Bäume und halten diese so gesund. Sie fressen Schnecken die unsere Pflanzen vernichten, und jagen wen es Greifvögel sind Mäuse und Ratten die sich in unseren Häusern einzunisten versuchen. Jeder sollte sein bestes tun um Vögel jeglicher Art zu beschützen und ihnen die Möglichkeit zu geben ihre Jungen groß zu ziehen. Dabei ist es egal in welchem Land man lebt oder um welche Vogelarten es sich handelt. Ich jedenfalls werde nun noch mehr darauf achten das unsere Vögel sich in meinem Garten sicher und Zuhause fühlen, so das ich jedes Jahr etwas von ihnen habe.
Im laufe dieses Sommers noch, werde ich an den Bäumen einen Kletterschutz anbringen, damit mein Kater nicht mehr hinauf kann. Auf diesem Weg kann ich meinem Kater, ebenso wie den Vögeln ihren Frieden geben. Und natürlich werde ich sollte ich die Gelegenheit haben, den Bericht hier noch erweitern wenn ich meinen kleinen Gefiederten Freund nicht aus den Augen verliere.