Meine Eltern hatten einen Schreibwarenladen in dem man Photozubehör und Photoapperate bekommen konnte, der Laden war in meinen ersten Lebensjahren mehr mein Zuhause als unsere Wohnung. Meine Tante war Filialleitung in einem Laden einer größeren Lebensmittel Kette, und erzählte mir die tollsten Geschichten von ihrer Arbeit wenn sie bei uns zu besuch war. Man könnte also eigentlich sagen das der Verkauf und alles was mit dem Beruf zusammen hängt in meinem Blut in meiner Seele verankert ist. So ist es eigentlich nicht verwunderlich das ich wie die Zeit kam einen Beruf zu wählen, mich für den Beruf der Einzelhandelsverkäuferin entschieden hatte. Das es in meiner Ausbildung nicht so gut lief hatte und ich diese Abbrach hatte auch nichts mit dem Beruf selbst zu tun, auch wenn ich das damals nicht so verstanden hatte, sondern mit dem Arbeitsklima. Erst als ich mit zwanzig zurück in den Bruf ging, erkannte ich daß. Doch vieles störte mich auch, wie zum Beispiel das man nur wenig Zeit für den Kunden hatte, das die Ware in vielen Firmen über den Kunden gestellt wurde. Es war häufig wichtiger das die Regale in Ordnung waren, wie das der Kunde bedient wurde, oder geholfen bekam. Eine “Beziehung” zu dem Kunden auf zu bauen war schier unmöglich. Und das obwohl ich in meinem Letzten Job als Verkäuferin in Deutschland eine Filialleitung hatte die wirklich Kundenorientiert war. Doch auch sie konnte gegen verschiedene Auflagen der Firma, wie das die Ware am Warentag bis drei Uhr am Mittag hatte in den Regalen sein müssen, nichts machen. Kurzum, Service war etwas das mit den Jahren die ich im Verkauf verbrachte, und damit meine ich auch meine Kinderzeit, immer weiter in den Hintergrund gerückt war.
Als wir dann 2007 nach Kanada gingen, war für mich nicht recht klar was ich hier Arbeiten wollte, mein Englisch war noch viel zu schlecht als das ich hätte in den Verkauf gehen können. Doch da ich eh nicht gleich eine Arbeitserlaubnis bekommen hatte, und so erst einmal zwei Jahre Zuhause fest saß, hatte ich Zeit das zu ändern. Das ich dem Beruf selbst nicht gewachsen sein könnte, oder Verkaufen hier anders lief wie in Deutschland, konnte ich mir nicht vorstellen zu dem Zeitpunkt. Schließlich hatte ich schon in der Ausbildung immer gesagt bekommen das viele organisatorische Ideen aus dem Americanischen Handelssystem übernommen worden waren. Heute muß ich über diese “Ausrede” nur noch lachen.
Als ich im April 2009 endlich meine Arbeitserlaubnis bekam, hatte ich von der Seite des Kunden her schon mitbekommen das es im Verkauf hier um einiges anders lief, als ich es von Deutschland her gewohnt war. Doch den wirklichen Unterschied, den bekam ich erst mit als ich dann selbst meinen Weg zurück in den Verkauf fand.
Nach nicht mal ganz vier Wochen fand ich eine Stelle als Verkäuferin in einem Modegeschäft, und dazu noch bei einer Modegruppe die hier auf dem Nordamerikanischen Kontinent als eine der größten gilt. Schon beim Einstellungsgespräch fiel mir auf das ich, obwohl erfahren in dem Beruf, irgendwie aus meinem Element war. Die Store Managerin fragte mich wie ich im Bereich Kundenbindung wäre, und wie ich auf einen Kunden zugehen würde. Ich erklärte ihr das es in Deutschland leider so war, wie oben gesagt, das man die Ware als wichtiger zu behandeln hatte als den Kunden. Natürlich war sie entsetzt, doch es gefiel ihr auch das ich erlich war, und ihr sagte das mir eine gute Bindung zum Kunden besser gefallen würde, und ich es daher gerne zumindest versuchen würde. Garantieren das ich in dem Bereich etwas auf die Beine gestellt bekommen würde, konnte ich natürlich nicht, schließlich hatte ich es noch nie wirklich versucht.
In meiner Traineezeit beobachtete ich die erfahrenen Verkäuferinnen wie sie auf die Kunden zugiengen, sich mit ihnen unterhielten und wie sie es schafften aus Leuten die mehr aus langeweile herein kamen, jemanden zu machen der mal kurzerhand 100 Dollar liegen ließ. Was mich dabei verwunderte, war das es weniger ein Verkaufsgespräch war in den meisten fällen, sondern eher eine freundschaftliche Unterhaltung die dazu führte das der Kunde erzählte was er/sie eigentlich suchte, so das die Verkäuferin dann entsprechende Vorschläge machen konnte. Ich begann den Vorgang zu kopieren, und fand mich dann auch langsam damit zurecht. Obwohl ich bei weitem noch nicht so gut bin wie eine der anderen Verkäuferinnen, so fällt es mir doch jedesmal leichter ein Gespräch mit dem Kunden zu finden, und ihn entsprechend zu bedienen.
Doch das sind nicht die einzigen Unterschiede,hier bekommt man auch einen Ansporn von der Firma sich um Kundenbindung und gute Verkäufe zu bemühen, nämlich den Gehalltsscheck. Neben einem Stundenlohn, der oft recht gering ist, bekommt man hier Verkaufsprovisionen. Hat man einmal sein Budget für den Tag gemacht, was häufig eine bestimmte Summe pro Stunde ist, bekommt man auf alles was darüber geht Provision. Dazu bekommt man Dicount auf das was man in der eigenen Firma kauft, und kann wie seine Provisionen eine spezielle Provision für Kleidung bekommen. Rechnet man das alles zusammen, hat man eigentlich ein recht gutes Gehalt. Summen darf ich natürlich keine nennen. Aber sagen wir es mal so, ich Arbeite nur Wochenends wegen meiner Kids, das sind 24 Stunden im Monat. Davon kann ich Problemlos das Benzien, Taback und Bier kaufen, und habe noch ein wenig über. Taback 150g / 45 Dollar, Bier 32 Dosen a 333ml / 42 Dollar und Benzien brauche ich etwa 140 bis 200 Liter im Monat / Liter 0.96 cent. Rechnet es euch also selbst aus in welcher Region wir uns bewegen für die paar Stunden. Und dazu muß man sagen das Wochenende sehr wenig los ist, so das ich nur selten in den Bereich komme in dem es Provisionen gibt.
Aber auch die Einstellung der Firma ist ganz anders, das erste was ich gesagt bekommen hatte war, egal wieviel Ware zu versorgen ist, egal wieviel zu putzen wäre, und egal wie durcheinander alles ist, der Kunde kommt zuerst, alles andere läuft nicht davon. Und wird man an dem Tag nicht fertig, kann man es am nächsten immer noch fertig machen. Diese Einstellung gefällt mir sehr gut, schon allein aus dem Grund, das mir der Kunde sehr wichtig ist, eigentlich schon immer war, doch in Deutschland war es schwer den Kunden an erste Stelle zu setzten bei der dortigen Firmenpoletick.
Wer also in Deutschland als Verkäuferin gearbeitet hat, und hier her möchte, kann sich auf zwei Dinge einstellen. Erstens eine völlig andere art Bezahlt zu werden, die aber nicht schlechter ist. Und sehr viel mehr Kundenkontakt, der sich natürlich auch im Service wiederspiegeln muß.
Hier sucht nicht der Kunde seine Größe heraus, sondern der Verkäufer. Nicht der Kunde räumt seine Kleider wieder auf, sondern wir Verkäufer. Wir suchen passende Tops zu einer Hose, oder umgekehrt, machen vorschläge und bringen diese zur Umkleide Kabiene, und wenn es sein muß helfen wir sogar beim anziehen der Bluse. Kommt insbesondere bei älteren Leuten vor, die zumindest in meiner Kompanie einen großen Anteil ausmachen. Service ist hier das A und O des Gewerbes, und das ist etwas zu dem man Bereit sein muß.
Das einzige an diesem Job das mich stört, ist das man verpflichtet ist die Kleidung zu tragen die man verkauft. Nach einiger Zeit hat man eine bestimmte Auswahl zusammen, das ist nicht das Problem. Und ich falle in diesem Fall auch aus dem Rahmen, doch ich bin so dünn, das ich in unserer Firma nur wenig finde das mir wirklich passt. Das Designe ist klasse, doch die Schnitte und vorallem die größen sind nicht gerade für so Hänflinge wir mich gemacht. “Laternenmaßtmode” haben wir leider nicht im Programm, so das mir immer schwer fällt etwas zu finden. Aber das ist etwas mit dem die meisten anderen weniger Probleme haben würden.
Alles in allem gefällt es mir hier viel besser als in Deutschland als Verkäuferin zu Arbeiten. Und wer weiß, in einigen Monaten bin ich villeicht so gut wie einige meiner Koleginnen und habe sogar Kunden die ganz gezielt nach mir fragen wenn sie zum Einkaufen kommen.